Margarete May
Rechtsanwältin

 
 
  Wie sind Fotos geschützt?
Das Privileg der Fotografen oder: Welchen Schutz genießen Lichtbilder?

Die gute Nachricht zuerst:
Lichtbilder genießen den Schutz des Urheberrechts. Zwar unterscheidet das Gesetz zwischen Lichtbildwerken, die gemäß §2 UrhG geschützt sind, und einfachen Lichtbildern, die „nur“ nach §72 UrhG Schutz genießen, aber geschützt sind alle Fotografien.

Das heißt: Ein Fotograf muß nichts weiter tun, als auf den Auslöser seiner Kamera drücken, und schon hat er ein geschütztes Werk geschaffen.

Lichtbildwerke als persönliche geistige Schöpfung geschützt
Das ist keinesfalls selbstverständlich, sondern ein Privileg der Fotografen. Denn gemäß §2 UrhG sind nur persönliche geistige Schöpfungen Werke im Sinne des Urheberrechtsgesetzes und als solche durch das UrhG geschützt. Die in §2 aufgeführten Werke der Literatur, Wissenschaft und Kunst, zu denen auch Lichtbildwerke gehören, müssen also persönlich geistige Schöpfungen sein. Aus diesem Begriff hat die Rechtsprechung hergeleitet, dass nicht jedes Gekritzel, jedes noch so kleine Sprachwerk und auch nicht jedes Foto als Werk im Sinne des Urhebergesetzes angesehen wird, sondern nur solche Erzeugnisse, die eine nicht unerheblich Schöpfungshöhe besitzen. Wann diese Schöpfungshöhe erreicht ist, ist nicht immer leicht zu ermitteln. Die Vorhersage, was ein Gericht als Werk mit der berühmten Schöpfungshöhe ansieht und was nicht, gleicht oft dem Lesen in der Glaskugel. Würfeln ist in manchen Grenzfällen sicherer in der Vorhersage als die Prophezeiung, was ein Gericht als schutzfähig ansieht und was nicht.

Wären nun nur Lichtbildwerke nach §2 UrhG urheberrechtlich geschützt, hätten die Fotografen das gleiche Problem wie etwa Grafikdesigner. Im Streitfall müsste bei jedem Foto festgestellt werden, ob es nun die erforderliche Schöpfungshöhe hat oder nicht. Und einfach ist das nicht. Denn die Schöpfungshöhe ist nur erreicht, wenn das Werk über den Durchschnitt der üblichen Bilder herausragt. Und welches Foto tut das schon. Bei den Milliarden von Fotos, die täglich gemacht werden, sind nur recht wenige echte überdurchschnittliche Spitzenwerke dabei, die dann den hohen Massstäben der Richter genügen würden. Fast alle Zeitungsfotos, aber auch viele Werbeaufnahmen würden aus dem Schutzbereich des Gesetzes fallen.

Lichtbilder ebenfalls geschützt
Da dies zu unerträglichen Zuständen geführt hätte- schließlich stellt die Verwertung von Fotos einen wichtigen Wirtschaftszweig dar- hat der Gesetzgeber den §72 UrhG eingeführt.
Danach sind Lichtbilder und Erzeugnisse, die ähnlich wie Lichtbilder hergestellt werden, wie Lichtbildwerke geschützt.

Unterschiedliche Schutzdauer für Lichtbildwerke und Lichtbilder
Nur die Schutzdauer ist anders. Während Lichtbildwerke für eine Dauer von 70 Jahren nach dem Tod des Fotografen dem Urheberrechtsschutz unterliegen, sind Lichtbilder nur 50 Jahre nach dem ersten Erscheinen bzw der ersten öffentlichen Wiedergabe, und wenn sie nicht erschienen sind, 50 Jahre nach der Herstellung geschützt.

Diese Schutzdauer ist unter Umständen sogar länger als die der Lichtbildwerke. In dem zugegeben seltenen Fall, dass ein Lichtbild 49 Jahre nach der Herstellung zum ersten Mal erscheint oder öffentlich wiedergegeben wird, kann der Schutz sich auf 99 Jahre erstrecken. Denn bei der ersten öffentlichen Wiedergabe nach 49 Jahren ist das Lichtbild noch urheberrechtlich geschützt. Der Schutz verlängert sich dann um die 50 Jahre des §72 Abs 3 UrhG, so dass insgesamt 99 Jahre zusammen kommen.

So stellt sich nur noch die Frage, was ein Lichtbild im Sinne des Gesetzes ist, und wie der Schutz des Urheberechtsgesetzes konkret aussieht und wie er von den Fotografen praktisch durchgesetzt werden kann.

Diese Fragen sind im Zuge der rasanten technischen Entwicklung nicht mehr so leicht zu beantworten wie zur Zeit der Entstehung des Gesetzes. Aber die Rechtssprechung und findige Juristen haben sich darüber natürlich Gedanken gemacht.

Nun stellt sich die Frage, wann ist ein Bild ein Lichtbild?

Juristen beantworten diese Frage so:
Lichtbilder entstehen dadurch, dass strahlungsempfindliche Schichten chemisch oder physikalisch durch Strahlung verändert werden.
Dies war bei der klassischen Fotografie relativ einfach. Es gab eine strahlungsempfindliche Schicht, den Film, und eine Strahlungsquelle, das Licht. Auch Bilder, die mittels Infrarotlicht oder Röntgenstrahlen entstanden sind, gelten in diesem Sinn als Lichtbilder.


Wie ist die Rechtslage aber bei der digitalen Fotografie zu beurteilen? Entstehen digitale Fotos auf einer strahlungsempfindlichen Schicht, die chemisch oder physikalisch verändert wird?

Nun, glücklicherweise ist es nicht nötig, in die Tiefen der Chemie oder Physik einzudringen, um darüber Klarheit zu gewinnen, ob digitale Fotos als Lichtbilder geschützt sind. Denn der Schutz nach §72 UrhG gilt nicht nur für Lichtbilder, sondern auch für Erzeugnisse, die ähnlich wie Lichtbilder hergestellt werden.
Solche Erzeugnisse sind alle die Bilder, die, ohne den technischen Anforderungen der herkömmlichen Fototechnik zu entsprechen, unter Benutzung strahlender Energie erzeugt werden. So urteilte der Bundesgerichtshof.

Nach §72 UrhG geschützt sind daher alle Bilder, die durch irgendeine Art von Strahlung, sei es Licht, Infrarot-, Röntgen- oder sonstige Strahlen hergestellt werden und elektromagnetisch, digital oder chemisch festgehalten werden.

Für den Schutz kommt es also nur darauf an, dass der Fotograf die übliche fotografische Technik benutzt. Dabei ist es unerheblich, mit welcher Art von Kamera das Bild aufgenommen wurde. Auch Fotos, die von Bildautomaten (die üblichen Passbildautomaten) aufgenommen werden, ebenso Satellitenfotos und mit automatischen Kameras gemachte Luftbilder sind Lichtbilder im Sinne des §72 UrhG.

Keine Lichtbilder gemäß §72 UrhG sind Bilder, die auf dem Computerbildschirm erzeugt werden. (CAD- und CAM –Bilder). Solche Werke können als Werke der bildenden Kunst nach §2 UrhG Schutz genießen. Dafür ist allerdings wieder die Schöpfungshöhe der persönlichen geistigen Schöpfung notwendig.

Für den Schutz der einfachen Lichtbilder kommt es dagegen weder auf die Schöpfungshöhe noch auf handwerkliches Können an; lediglich ein Mindestmaß an persönlicher geistiger Leistung (nicht zu verwechseln mit Schöpfung) wird gefordert. Dieses liegt nicht vor, wenn das Bild durch reinen Zufall entstanden ist, etwa, wenn die Kamera aus dem Fenster eines Hauses fällt und dabei ohne Absicht des Fotografen ein Bild ausgelöst wird. Wirft der Fotograf aber die Kamera absichtlich aus dem Fenster und macht er dabei absichtlich Fotos, sind diese wiederum geschützt. Da vermutlich niemand feststellen kann, ob ein bestimmtes Bild absichtlich oder unabsichtlich gemacht wurde, ist diese Diskussion eher theoretischer Natur und für die Praxis von geringer Bedeutung.

Durchaus von Bedeutung ist allerdings die Frage, ob reine Reproduktionen urheberrechtlich geschützt sind. Hier ist die ganz überwiegende Meinung der Juristen, dass Reproduktionen, durch die eine zweidimensionale Bild- oder Textvorlage vervielfältigt wird, keinen Schutz nach dem Urheberrecht genießen.

Dies ist vor allem deshalb wichtig, weil andernfalls durch die Reproduktion eines Bildes immer wieder eine neue Schutzfrist ausgelöst werden würde. Außerdem hätte derjenige, der ein Bild reproduziert ein eigenes Urheberrecht. Das ist weder im Sinne der Fotografen noch der Allgemeinheit und würde auch dem Gedanken des Urheberrechts zuwiderlaufen.

So stellt sich nun noch die Frage, wer der Urheber eines Lichtbildes ist. Schließlich sind bei größeren Fotoproduktionen immer mehrere Personen am Set, die zusammenarbeiten.
Im Gesetz ist diese Frage lapidar beantwortet: §72 Absatz 2 UrhG bestimmt: Das Recht nach Absatz 1 steht dem Lichtbildner zu.

Wer Lichtbildner ist, hat dann die Kommentarliteratur und Rechtsprechung so definiert: der Lichtbildner ist diejenige natürliche Person, die das Lichtbild herstellt, indem sie den Blickwinkel auswählt, die Einstellung der Kamera vornimmt und den Auslöser betätigt. So sollte also jeder Fotograf darauf achten, dass er auch den Auslöser betätigt und dies nicht seinem Assistenten überlässt. Das könnte sonst vielleicht Streit darüber geben, wer der Lichtbildner ist.
Rechtsanwältin Margarete May
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