Margarete May
Rechtsanwältin

 
 
  Was darf aufs Bild?
Fotografen haben es manchmal wirklich schwer. Nicht nur die richtige Bildauswahl, die optimale Belichtung und der beste Zeitpunkt sind von wesentlicher Bedeutung. Auch rechtliche Fragen können sehr wichtig werden, wenn die Bilder verwertet werden sollen.

Dass man nicht jede Person ohne zu fragen abbilden und das Bildnis veröffentlichen darf, hat sich inzwischen weitgehend herumgesprochen. Aber dass auch tote Gegenstände Anlaß zu Ärger geben können, ist noch nicht allgemein bekannt.

So stellt sich dem engagierten Fotografen immer wieder mal wieder die Frage: Was darf aufs Bild?
Darf man Bilder von Designgegenständen verwerten, ohne den Designer vorher um Erlaubnis gefragt zu haben?


Problematisch ist dies auf jeden Fall dann, wenn der Designgegenstand das Hauptmotiv des Fotos darstellt. So hat z.B. die Deutsche Bahn AG ein Unternehmen erfolgreich verklagt, das in seinem Prospekt Abbildungen von ICE Zügen verwendete, ohne die Bahn vorher um Erlaubnis gefragt zu haben.
Das Design der ICE Züge ist durch Geschmacksmuster geschützt. ICE Züge dürfen daher nicht ohne weiteres als Hauptmotiv eines Fotos verwertet werden.
Anders ist die Rechtslage zu beurteilen, wenn der ICE Zug nur als unwesentliches Beiwerk im Bild erscheint. Doch ist hier sehr genau zu prüfen, ob es sich wirklich nur um ein unwesentliches Beiwerk handelt. Dieser Begriff ist wie viele Rechtsbegriffe nicht eindeutig und daher auslegungsbedürftig. In einer der nächsten Folgen dieser Serie werde ich darauf näher eingehen.

Fotos von Designgegenständen, die durch Geschmacksmuster geschützt sind, dürfen also nicht ohne weiteres verwertet werden.

Das gleiche gilt für Designobjekte, die urheberrechtlich geschützt sind. Denn die Ablichtung eines Gegenstands ist eine Vervielfältigung. Die Vervielfältigung urheberrechtlich geschützter Werke ist jedoch nur dem Urheber gestattet und denjenigen, denen der Urheber das Vervielfältigungsrecht eingeräumt hat.

Es mag für viele befremdlich klingen, dass die Ablichtung eines urheberrechtlich geschützten dreidimensionalen Werkes eine Vervielfältigung darstellt. Denn eigentlich könnte man meinen, dass die Vervielfältigung eines Stuhles nur dann in die Rechte des Möbeldesigners eingreift, wenn der Stuhl als dreidimensionales Objekt nachgeahmt wird. Nach einhelliger Meinung der Gerichte ist dies jedoch anders. Der Begriff der Vervielfältigung wird sehr weit gefasst. Eine Vervielfältigung ist „jede körperliche Festlegung eines Werkes , die geeignet ist, das Werk den Sinnen auf irgendeine Weise unmittelbar oder mittelbar wahrnehmbar zu machen.“ So erklärte der Gesetzgeber diesen Begriff, und daran müssen sich auch die Gerichte halten.

Für Fotografen, und auch Maler, Zeichner und andere Künstler, heißt das, dass große Vorsicht angebracht ist, wenn sie die Werke anderer Künstler abbilden.

Andererseits haben sie dann auch das Recht, dass ihre Werke nicht von anderen vervielfältigt werden dürfen. So wurde z.B. einem Möbelhaus die Verwendung eines Bildes untersagt, auf dem eine Fototapete als Hintergrund abgebildet war. In dem Fall war es nicht das Sofa, das Anlass zu Ärger gab, sondern die Fototapete. Da diese das Bild wesentlich mitgeprägt hatte (also kein unwesentliches Beiwerk war) , durfte sie nicht ohne Einwilligung des Fotografen aufs Bild.

Was kann ein Fotograf nun also tun, um Probleme mit anderen Urhebern zu vermeiden? Es gibt nur eine Lösung: Genau prüfen, ob die Gegenstände, die aufs Bild kommen sollen, geschützt sind und notfalls die erforderlichen Nutzungsrechte einholen. Oder auf die Vervielfältigung dieser Gegenstände verzichten und auf einfache Möbel und Gebrauchsgegenstände ausweichen, die keinen Schutz geniessen.

Wenn ein Fotograf für einen Auftraggeber arbeitet, der ihm bestimmte Vorgaben über die Requisiten macht, die sein Produkt besonders gut ins Bild setzen sollen, sollte der Fotograf den Auftraggeber auf jeden Fall auf die Problematik hinweisen und sich notfalls bestätigen lassen, dass der Auftraggeber auf der Verwendung dieser Gegenstände besteht. Andernfalls kann es sein, dass der Fotograf gegenüber seinem Auftraggeber haftet. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.
Rechtsanwältin Margarete May
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