Margarete May
Rechtsanwältin

 
 
  Herausgabe von Negativen
Das Landgericht Hannover hat mit Urteil vom 30. 6. 1988 entschieden, daß der Fotograf nicht zur Herausgabe der Negative verpflichtet ist.

Das Gericht hat dabei ausführlich begründet, daß der Fotograf mit seinem Kunden einen Werkvertrag abschließt, bei dem die Lieferung des Filmmaterials gegenüber der eigentlichen Leistung des Fotografen weit in den Hintergrund tritt. Der Fotograf schuldet dem Kunden als Endprodukt Fotoabzüge. Die Negative sind dafür nur ein notweniges Zwischenprodukt, das als ein bloßes Hilfsmittel kein Bestandteil des Endproduktes ist.

Auch aus dem Urheberrechtsgesetz kann der Kunde kein Recht auf Herausgabe des Negatives herleiten. Zwar hat der Besteller eines Bildnisses (gemeint sind damit Abbildungen von Personen) das Recht, von ihm bestellte Fotos vervielfältigen und verwerten zu lassen. Aus diesem Recht kann er aber nicht die Verpflichtung ableiten, daß der Fotograf ihm dafür die am leichtesten zugängliche Möglichkeit verschafft, nämlich das Negativ übergibt.

Auch aus dem Recht des Abgebildeten am eigenen Bild kann er nicht die Verpflichtung des Fotografen zur Herausgabe der Negative herleiten. Ein Herausgabeanspruch nach dem Urhebergesetz, das das Recht am eigenen Bild regelt, besteht nur, wenn das Recht bereits verletzt worden ist, d.h., wenn der Fotograf bereits unbefugt das Bildnis seines Kunden veröffentlicht hat oder eine Verletzung dieses Rechts zu besorgen ist.
Rechtsanwältin Margarete May
Schwanthaler Straße 51, 60596 Frankfurt/M. - Telefon 069-622771, Fax 069-96202965
Internet: www.ra-may.de -
^